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Zum Jahreswechsel

Grusswort von Rahel Meier

Geschätzte Gartenfreundinnen und Gartenfreunde

Das Jahresende lädt dazu ein, innezuhalten, zu reflektieren und den Blick nach vorne zu richten. Als Vorstände, Präsidentinnen und Präsidenten sowie Mitglieder unserer Gartenvereine tragen wir gemeinsam Sorge dafür, dass unsere Gärten auch in Zukunft Orte der Vielfalt, des Zusammenhalts und des respektvollen Miteinanders bleiben.

Mit diesem Schreiben spreche ich meine Anerkennung für all jene aus, die zum friedlichen Miteinander in den Arealen und darüber hinaus beitragen. Werfen wir einen Blick auf die ersten Jahrzehnte unserer – den meisten unbekannte – Verbandsgeschichte und das Jubiläumsjahr 2025. Letzteres brachte für mich mit dem Antritt des Präsidiums des SFGV spürbare Veränderungen – und insbesondere mehr Verantwortung – mit sich.

Von den Anfängen bis zur Anbauschlacht

Der Schweizer Familiengärtner-Verband feierte 2025 sein 100-jähriges Bestehen. Viele tüchtige Männer und Frauen prägten und prägen seither die Familiengartenbewegung in der Schweiz. Um die Jahrhundertwende – Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts – stand die «Hebung der Volksgesundheit» im Mittelpunkt: Pflanzgärten mit Schwerpunkt auf die Nahrungsmittelproduktion wurden angelegt und an arme Leute verpachtet. Welches Potential in unseren Gärten steckt, lotet unser Beitrag zur Ernährungssicherheit aus.

Die Gründung unseres Verbandes beschlossen im Jahr 1924 in Basel Vertreter der Familiengartenvereine Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich. Die formelle Gründung als «Schweizer Kleingärtnerverband» erfolgte 1925 im Rahmen der Ausstellung für schweizerische Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau in Bern. 1926 fand in Olten die erste Delegiertenversammlung statt, die ab 1932 im Zweijahresrhythmus erfolgte.

Der Austausch zwischen den Gartenbewegungen in Europa reicht weiter zurück. Bereits 1903 wurde in Paris der erste Kongress der Arbeitergärten («Congrès Français des Jardins ouvriers») durchgeführt, an dem Repräsentanten aus Belgien, den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz anwesend waren. Weitere Kongresse folgten, bis 1926 Einladungen mit einem Aufruf zum internationalen Zusammenschluss versandt wurden. Zehn zustimmende Antworten liefen ein und am 3. Oktober 1926 wurde der «Internationale Verband der Kleingärtnerorganisationen» gegründet.

Im Jahr 1926 zählt die Schweizer Gartenbewegung 7’198 «Anhänger», davon 3’250 in Zürich («Verein der Familiengärten»). Es gab verschiedene Regionalzeitschriften, doch Schutzgesetze und staatliche Beihilfe fehlten. Deutschland, England und Frankreich waren bereits national organisiert und halfen den Gärten mit Darlehen, Schutzgesetz (in England) und Verbandszeitschriften. Hier wurden die Schweizer Vertreter Meier und Ziegler vermutlich vom Nutzen einer einheitlichen, landesweiten Publikation inspiriert.

Man stellt sich die Vorstandssitzungen mit regen Debatten vor, bis eine Entscheidung getroffen wurde: Die Zeitschrift der Sektion Basel – Gartenfreunde – wird zum offiziellen Verbandsorgan erklärt und geht 1933 in das Eigentum des SFGV über. Fortan erscheint sie mit dem französischsprachigen Teil Mon petit jardin.

Gartenfreund

Die Ausgaben der Verbandszeitschrift Gartenfreund sind ab Ausgabe 10/2021 digitalisiert und für alle Mitglieder unseres Verbandes nach einmaliger Registrierung kostenlos zugänglich.

1934 ist der Schweizer Verband auf 12’000 Mitglieder angewachsen. In diesem Jahr wird auch die Ehrenmitgliedschaft eingeführt. Einen Mustergarten stellt der SFGV an der Landesausstellung 1939 vor. Am 1. September bricht der zweite Weltkrieg aus.

Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg

Der Bund hat bereits 1939 und 1940 im Rahmen der Krisenbewältigung und Kriegsvorsorge eine Ausweitung der Ackerfläche um 25’00 ha verfügt. Die eigentliche Anbauschlacht setzt erst mit dem sogenannten Plan Wahlen ein. Bundesrat Dr. Friedrich T. Wahlen präsentierte am 15. November 1940 einen Vortrag über seinen seit 1935 vorbereiteten, erweiterten Anbauplan einer breiten Öffentlichkeit. Die vier Grundpfeiler lauteten: Vorratshaltung, Ausnützung aller Ressourcen in Anbau und Wiederverwertung, organisierter Einsatz der Produktionsmittel sowie der menschlichen Arbeitskraft – unter rücksichtsloser Einschränkung aller nicht lebenswichtigen Tätigkeiten.

Die Anbaufläche wurde unter anderem mit der Umwandlung von Wiesen zu Äckern, mit Rodungen und der Förderung von Kleingärten von 183’000 ha bis 1945 auf 352’000 ha vergrössert. Das Ziel von 500’000 ha Anbaufläche wurde aber deutlich verfehlt. Die nie ganz versiegende Zufuhr trotz Blockade, der Arbeitskräftemangel, Widerstand seitens der Viehwirtschaftsregionen, die fehlende Arbeitslosigkeit und Anbaumüdigkeit gelten als wichtige Gründe für das Abbremsen des Impulses der Anbauschlacht 1942. Der Selbstversorgungsgrad stieg von 52% auf 59%.

Im Zuge der Anbauschlacht wachsen die Mitgliederzahlen des SFGV von 1943 bis 1946 von 19’000 auf 21’170 Mitglieder an – verteilt über 35 Sektionen. Mit der Nachkriegszeit sind wir in der Epoche angekommen, in der heutige Augenzeugen geboren wurden. Die Entwicklung der Familiengärten und die Unterschiede von heute zu damals erzählen unsere Ältesten in den Arealen. Sie haben den unbeschwerten Einsatz von Kunstdünger teilweise miterlebt und erinnern sich vielleicht an die Pioniere und die Verbreitung der biologischen Landwirtschaft in den Familiengärten.

100 Jahre SFGV – Sonderheft, Chronik und zwei Wettbewerbe

Die historischen Eckdaten zur Geschichte des SFGV und die Namen aller fassbaren Funktionäre und Funktionärinnen hat Walter Schaffner unter Mithilfe von Priska Moser und weiteren Kolleginnen und Kollegen in unserer Chronik zusammengetragen. Sie ist kostenlos auf unserer Website zugänglich.

Im Rahmen des hundertjährigen Bestehens des SFGV entstand auch eine Jubiläumszeitschrift mit Vorwörtern von Hans Stöckli (alt Stadtpräsident von Biel und alt Ständerat), Otmar Halfmann (bis Juni 2025 Präsident SFGV) und Frédéric Schär, dem OK-Präsidenten der DV und 100-Jahr-Feier in Genf Carouge. Die Sonderausgabe schickten wir allen Mitgliedern unserer Familiengärten zusammen mit dem Gartenfreund nachhause. Darin finden sich ein historischer Rückblick und Beiträge aus den Regionen, die spannende Einblicke in die Themen rund um das Heute und Morgen der Familiengärten gewähren.

Die beiden Jubiläumspublikationen und die im Rahmen des hundertjährigen Bestehens organisierten Wettbewerbe haben gezeigt, welche Kreativität, Kraft und soziale Wirkung in unseren Vereinen steckt. Wie Kinderaugen die Gärten sehen, haben wir im Bericht über den Ausgang des Kindermalwettbewerbs geschildert. Im Rahmen des Gruppenwettbewerbs für Erwachsene haben Vereine und Gruppen von Pachtenden generationenübergreifend kulinarische Feste gefeiert, getanzt, an Kursen zu Vögeln und Permakultur teilgenommen, Blumentage in Altersheimen durchgeführt und gemeinschaftliche Projekte zur Förderung der Biodiversität gestartet. Solche Anlässe und Projekte stärken nicht nur die Gemeinschaft, sondern wirken auch nach aussen.

Bilder: Lily Häni (12) FGV Höngg, Mae Erni (5) FGV Liestal und Elouise Guilcher (9) FGV Bertigny
Bilder: Lily Häni (12) FGV Höngg, Mae Erni (5) FGV Liestal und Elouise Guilcher (9) FGV Bertigny

Wir übernehmen Verantwortung

Wir wissen, dass unsere wertvollen Oasen des Rückzugs, des Austausches und des Lernens keine Selbstverständlichkeit sind. Familiengärten geniessen kaum gesetzlichen Schutz. Ihr Fortbestehen hängt massgeblich davon ab, wie wir wahrgenommen werden – politisch, gesellschaftlich und lokal. Genau hier liegt unsere gemeinsame Verantwortung: Welches Bild zeigen wir nach aussen? Wie treten wir auf? Welche Werte werden in den Arealen gelebt? Präsidierende, Vorstände und alle Mitglieder prägen dieses Bild mit ihren Entscheidungen.

Über die Ausschreibungen im Gartenfreund und in den Sektionsnachrichten fanden mehrere Vorstände Nachfolgen. Ich danke allen, die sich neu für ein Ehrenamt zur Verfügung gestellt haben, ebenso wie jenen, die seit Jahren oder Jahrzehnten (!) Verantwortung tragen. Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen, zuzuhören und mit Spannungen umzugehen. Eine offene Fehlerkultur ist zentral, damit unsere Vereine handlungsfähig bleiben.

Präsidierende, Vorstandsmitglieder und Vereine sind vor Konflikten nicht gefeit. Führungskräften wird deshalb geraten, den Grossteil ihrer Energie in die Prävention von Konflikten zu stecken. Ein Merksatz, um Konflikte im Jahr 2026 zeitnah anzusprechen, lautet: «Der Fisch muss auf den Tisch, bevor er stinkt». Unterstützung in Konflikten ist Teil meiner Aufgabe als Präsidentin und ich bin auf Zuruf gerne für euch da.

Ich danke allen ehrenamtlich Engagierten in den Arealen für den unermüdlichen Einsatz und wünsche euch erholsame Festtage, Zuversicht und gutes Gelingen im 2026.

Frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Rahel Meier

Präsidentin SFGV

Veröffentlicht in:

GemeinschaftVerband

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