Grusswort zum Jahresende von Sylvia Wohatschek vom internationalen Verband
Liebe Kleingartenfamilie!
Während ich diese Zeilen schreibe, erfüllt mich ein Gefühl der Dankbarkeit und des Stolzes – Dankbarkeit für das, was wir gemeinsam als internationale Kleingartenfamilie im vergangenen Jahr erreicht haben, und Stolz auf die Kraft, die in unserer Gemeinschaft steckt.
Das Jahr 2025 war geprägt von Herausforderungen, aber auch von schönen Momenten, die gezeigt haben, wie wertvoll unser Engagement für die Kleingartenbewegung ist.
Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, sehe ich vor allem eines: Die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Gärten spiegeln sich in der Vielfalt und Lebendigkeit unserer Gemeinschaft wider. Wir haben Jubiläen gefeiert, neue Projekte angestossen und bestehende Freundschaften vertieft. Besonders die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Schweizer Familiengärtner-Verbandes haben eindrucksvoll gezeigt, wie tief verwurzelt die Kleingartenbewegung in unseren Städten und Herzen ist. Es erfüllt mich mit Freude, dass wir dieses Fest gemeinsam begehen konnten und dabei erleben durften, wie sehr uns das gemeinsame Ziel verbindet: Die Bewahrung und Weiterentwicklung unserer grünen Oasen inmitten einer sich stetig wandelnden Welt.
Denn unsere Kleingärten sind weit mehr als nur Orte des Anbaus von Obst und Gemüse. Sie sind Refugien für Tiere und Pflanzen, grüne Lungen der Städte, Orte der Erholung und Begegnung. In einer Zeit, in der Klimawandel, Urbanisierung und gesellschaftliche Veränderungen uns vor neue Aufgaben stellen, leisten unsere Gärten einen unschätzbaren Beitrag für Umwelt, Klima und Lebensqualität.
Was unsere Bewegung so besonders macht, ist das gelebte Miteinander. In unseren Vereinen begegnen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, Altersgruppen und Lebensgeschichten. Am Gartenzaun werden Erfahrungen ausgetauscht, Tipps weitergegeben, Ernte geteilt und gemeinsam gefeiert.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen sich nach Zugehörigkeit und echter Nachbarschaft sehnen, bieten unsere Kleingärten einen Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist. Die Solidarität, die in unseren Anlagen spürbar ist, gibt Kraft und Zuversicht – und sie ist ein Vorbild für das gesellschaftliche Zusammenleben weit über die Gartenpforte hinaus.
Unsere Kleingärten sind Orte, an denen Nachhaltigkeit tagtäglich praktiziert wird. Wir achten auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen, fördern die Artenvielfalt durch naturnahe Bepflanzung und verzichten auf Pestizide. Viele von uns legen Komposthaufen an, sammeln Regenwasser, pflegen alte Obstsorten und schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kleingärten Hotspots der Biodiversität sind. Jeder Blühstreifen, jede Obstwiese, jedes Kräuterbeet in unseren Gärten ist ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. In vielen Städten sind Kleingärten oft die letzten Rückzugsorte für bedrohte Arten. Sie sind lebendige Beispiele dafür, wie nachhaltige Bewirtschaftung und Liebe zur Natur Hand in Hand gehen können.
Auch der gesundheitliche Wert unserer Gärten darf nicht unterschätzt werden. Die Bewegung an der frischen Luft, das Erleben der Natur und das gemeinsame Tun fördern nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit. Studien belegen, dass regelmässige Gartenarbeit Stress reduziert, das Wohlbefinden steigert und sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann. Besonders in unserer schnelllebigen Zeit bieten unsere Gärten einen Ausgleich, der Körper und Seele guttut. Wir wissen, wie wohltuend es ist, nach einem arbeitsreichen Tag, im Grünen zur Ruhe zu kommen.
Ein weiteres zentrales Thema dieses Jahres war die Weitergabe von Wissen und Traditionen. Seit über 100 Jahren kultivieren wir unsere Gärten und haben dabei einen reichen Schatz an Erfahrungen gesammelt. Dieses Wissen um Anbau, Ernte und Konservierung von Lebensmitteln geben wir an unsere Kinder und Enkel weiter – ein Wert, der gerade in Krisenzeiten von unschätzbarer Bedeutung ist. Die diesjährige Studientagung in Tulln hat sich intensiv mit dem Thema «Vorbereitet sein auf Krisen» beschäftigt und gezeigt, wie wichtig unsere Gärten für die Versorgungssicherheit und die Resilienz unserer Gesellschaft sind.
Auch 2025 konnten wir im Rahmen zweier Treffen unsere gemeinsame Arbeit intensivieren. Bei der Generalversammlung in Luxemburg und der Studientagung in Tulln wurde einmal mehr der Enthusiasmus spürbar, mit dem alle an der Weiterentwicklung unserer Ideen und Ziele arbeiten. Mit einer Stimme, die über zwei Millionen Kleingartenfamilien vertritt, haben wir die Möglichkeit, uns auf nationaler und europäischer Ebene bei politischen Entscheidungsträgern Gehör zu verschaffen – eine Chance, die wir zukünftig noch stärker nutzen müssen.
Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die sich mit Herzblut und Engagement für unsere Bewegung einsetzen – sei es im eigenen Garten, im Verein, auf nationaler oder internationaler Ebene. Ihr seid es, die unsere Gemeinschaft lebendig halten, die neue Ideen einbringen und Traditionen bewahren. Ohne euren Einsatz, eure Kreativität und eure Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wäre all das nicht möglich. Ihr seid das Herz unserer Bewegung.
Zum Abschluss dieses Jahres möchte ich Sie alle ermutigen, weiterhin mit Zuversicht, Tatkraft und Freude an der Entwicklung unserer Kleingärten zu arbeiten. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Gärten auch in Zukunft Orte der Vielfalt, der Nachhaltigkeit und des Miteinanders bleiben. Lassen Sie uns stolz sein auf das, was wir erreicht haben, und mutig die Herausforderungen annehmen, die vor uns liegen. Gemeinsam können wir viel bewegen – für unsere Städte, unsere Umwelt und unsere Gesellschaft.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben erholsame Feiertage und alles Liebe sowie Gesundheit für das neue Jahr 2026. Möge es ein Jahr voller Freude, Gemeinschaft und gemeinsamer Erfolge werden!
Mit herzlichen Grüssen
Sylvia Wohatschek
Generalsekretärin
Fédération Internationale des Jardins Familiaux
Liebe Sylvia
Vielen Dank für den wunderschönen Text. Ich gärtnere seit über 30 Jahren und bin glücklich, dass ich diesen Garten habe. Seit 2024 bin ich im Vorstand des Familiengartenvereins Zürich Süd und bin zuständig für Pachtwechsel. Es ist so schön, wenn ich neue Pächter glücklich machen kann.
Ich wünsche auch Dir und Deinen Lieben frohe Festtage und ein ertragreiches neues Gartenjahr.
Liebe Grüsse Jenny Weider