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Bienen-Initiative statt Handbestäuben

16. Juni 2026 Jacqueline Cortesi

Meinen Apfelbaum will ich in Zukunft definitiv nicht von Hand bestäuben müssen! Dir geht es in deinem Familiengarten bestimmt genau gleich. Darum müssen wir etwas gegen das Insektensterben unternehmen. Glücklicherweise wurde die Bienen-Initiative lanciert. Sie will sicherstellen, dass unsere Kultur- und Wildpflanzen auch in Zukunft durch Insekten bestäubt werden.

Schütze unsere Insektenbestäuber mit insektenfreundlichen Stauden und Blumen auf Balkon, Terrasse und in deinem Garten – solch kleine Massnahmen sind enorm wichtig. Aber – es braucht mehr!

Die Honig- und Wildbienen sowie weitere einheimische Insekten bestäuben unsere Kultur- und Wildpflanzen. Wenn wir nicht jetzt handeln, setzt sich der Rückgang der Insektenbestäuber unaufhaltsam fort. Für die Umwelt und den Artenreichtum ist dies katastrophal. Die Nahrungsmittelproduktion würde schwierig und teuer, unser Leben auf vielfache Weise ärmer.

Nahaufnahme einer männlichen Langhornbiene mit auffällig langen Fühlern und weissem Pelz an den violetten Blüten einer Zaun-Wicke. Im Hintergrund ein weich gezeichnetes Grün, aufgenommen in Dübendorf.
Ein Männchen der seltenen Langhornbiene (Gattung Eucera) beim Nektarsammeln an einer Zaun-Wicke (Vicia sepium). Ein unverwechselbares Merkmal dieser Wildbienen-Art sind die extrem langen Fühler der Männchen. Die Aufnahme dokumentiert die faszinierende Symbiose zwischen spezialisierten Bestäubern und heimischen Wildpflanzen. Oben am Stängel ist zudem eine Ameise zu erkennen. Ein starkes visuelles Argument für die Bienen-Initiative Schweiz und den Erhalt naturnaher Familiengärten. Bild: Philipp Reibisch

Wer steht hinter der Bienen-Initiative?

Hinter der Bienen-Initiative stehen

Apisuisse vertritt als Schweizer Dachverband die Interessen von rund 18 000 Imkerinnen und Imkern. Mitglieder sind drei Verbände:

  • BienenSchweiz (Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz)
  • Société Romande d’Apiculture (SAR) und
  • Federazione Ticinese Apicoltori (FTA).

Die Stiftung «Future 3» wurde 2018 von einer Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger gegründet. Sie engagiert sich für eine nachhaltige, regenerative Landwirtschaft, welche die Lebensgrundlagen respektiert und gesunde, transparent gehandelte Lebensmittel produziert. Die Naturfreunde Schweiz pflegen den sanften, nicht gewinnorientierten Tourismus. Der Verband mit über hundert Sektionen und rund 13 000 Mitgliedern setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung und den Erhalt unserer natürlichen Lebensräume ein. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Naturerlebnisse.

Die Entstehungsgeschichte zeigt: Es braucht die Bienen-Initiative

Seit 2013 hat das Parlament fünf Motionen zum Schutz der Insekten überwiesen. In der Bevölkerung wurden Unterschriften für Petitionen an die Behörden gesammelt. Trotzdem ist kaum etwas passiert. Nach dem Willen des Bundesrates stehen für die Bekämpfung des Insektensterbens gemäss dem «Aktionsplan Biodiversität II» während sechs Jahren lediglich drei Millionen Franken zur Verfügung. Statt griffige Schutzmassnahmen zu finanzieren, sollen damit vor allem Konzepte und Empfehlungen erarbeitet werden. Ein konkreter Massnahmenplan mit zeitlichen Meilensteinen für die Umsetzung fehlt. Die Bienen-Initiative braucht es, um das Insektensterben endlich zu stoppen.

Deshalb schlug die Stiftung Future 3 der Organisation BienenSchweiz 2025 eine Bienen-Initiative vor. BienenSchweiz zeigte sich nach eigenen Angaben zuerst zurückhaltend, da das Parlament mit dem «Ja» des Zweitrates im Juni 2024 soeben die Motion 23.4028 zur «Sicherung der Insektenbestäubung, insbesondere durch Wild- und Honigbienen» angenommen hatte. Schliesslich wuchs jedoch die Erkenntnis, dass die Initiative die Forderungen aus der Motion verstärkt und ergänzt. Pünktlich am Vortag des 20. Mai, dem internationalen Tag der Bienen, starteten die Initianten mit der Unterschriftensammlung.

Im Initiativkomitee sitzen Politikerinnen und Politiker aus unterschiedlichen politischen Lagern und Landesteilen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft.

Mit der Resolution 2025 zu seinem 100 Jahre Jubiläum bekräftigte der Schweizer Familiengärtner-Verband sein Engagement für den Schutz und die Förderung der Biodiversität. Daher unterstützt der Verband die Bienen-Initiative.

Nahaufnahme eines Zottigen Bienenkäfers (Trichodes alvearius) auf einer weissen Blüte. Deutlich sichtbar sind die roten Zeichnungen, die bis zu den Flügelspitzen reichen und optisch wie vier rote Bänder wirken – ein sicheres Merkmal zur Unterscheidung vom Gemeinen Bienenkäfer. Aufnahme im Familiengarten Ifang, Dübendorf.
Der Zottige Bienenkäfer (Trichodes alvearius) auf einer Jungfer im Grünen im Familiengarten Dübendorf. Ein sicheres Bestimmungsmerkmal ist die rote Färbung, die bis ganz an die Flügelenden reicht. Dies erzeugt drei dunkle Querbinden, wodurch optisch vier separate rote Bänder entstehen, im klaren Gegensatz zum Gemeinen Bienenkäfer. Der mit Pollen beladene Käfer ist ein wertvoller Indikator für eine intakte Gartenökologie und ein lebendiges Argument für die Bienen-Initiative Schweiz. Bild: Dirk Rahnenführer

Was fordert der Initiativtext?

Die Bienen-Initiative verpflichtet den Bund und die Kantone, die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen durch Insekten zu sichern.

  • Die Gemeinwesen müssen die erforderlichen finanziellen und personellen Mittel zur Verfügung stellen.
  • Vorschriften des Bundes sollen die Bestände und die Vielfalt einheimischer Bestäuberinsekten fördern und ihren Erhalt gewährleisten
  • Der Bund unterstützt die Kantone, Gemeinden und die Wirtschaft

Was auf Anhieb erstaunt: Die Initiative schreibt nicht vor, wie das Ziel erreicht werden soll. Die Initianten weisen darauf hin, dass seit Jahren wissenschaftlich abgestützte Handlungskataloge bereitliegen. Die Bienen-Initiative will, dass diese Massnahmen endlich in die Tat umgesetzt werden. Dazu gehören:

  • Erhalt und Neuschaffung von Blühflächen und vernetzten Lebensräumen
  • Reduktion der Lichtverschmutzung
  • Konsequentes Vorgehen gegen die Varroa-Milbe und invasive Arten wie die Asiatische Hornisse

Alarmierend: Die Hälfte der einheimischen Wildbienen-Arten ist gefährdet

Die Situation ist alarmierend: Gemäss einem Bericht des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) ist rund die Hälfte unserer einheimischen Wildbienenarten gefährdet oder bereits ausgestorben. Die Gründe? Blütenmenge und Blütenreichtum nehmen ab. Damit fehlen Pollen und Nektar als Nahrungsgrundlage. Ausserdem gehen aufgrund der intensiven Landwirtschaft und der hohen Bautätigkeit Nistplätze verloren.

Die Honigbiene ist nur eine von rund 600 Bienenarten in der Schweiz. Zum Glück ist sie (noch) nicht gefährdet. Trotzdem: Auch sie leidet. Zu schaffen machen den Honigbienen der Einsatz von Pestiziden, ein schwindendes Blütenangebot, die Varroa-Milbe und immer häufiger die Asiatische Hornisse.

Lesetipp: Wie du die invasive Asiatische Hornisse von der einheimischen Hornisse unterscheidest und welche Schutzmassnahmen gegen die Ausbreitung der invasiven asiatischen Art notwendig sind, liest du in unserem Blogbeitrag Asiatische Hornissen – Bedrohung für einheimische Bienen.

Nahaufnahme einer Wildbiene (vermutlich eine Furchenbiene, Gattung Halictus) mit riesigen, leuchtend gelben Pollenpaketen an den Hinterbeinen auf einer intensiv orange-roten Blüte des Habichtskrauts. Verschwommener, grüner Sommerhintergrund, aufgenommen in Dübendorf.
Eine fleissige Wildbiene (vermutlich eine Furchenbiene, Gattung Halictus) beim eifrigen Sammeln auf dem Orangeroten Habichtskraut (Hieracium aurantiacum). Die Biene ist unübersehbar mit einer riesigen, leuchtend gelben Pollenlast (Pollenhöschen) beladen. Das Bild ist ein Paradebeispiel für gelebte Biodiversität im Siedlungsraum und ein farbgewaltiges Symbolbild für die Bienen-Initiative Schweiz. Bild: Dirk Rahnenführer

Aus eigener Kraft: Unterschriften sammeln für die Bienen-Initiative

Bis zum 19. November 2027 müssen für das Zustandekommen der Initiative
100 000 gültige Unterschriften vorliegen. Das Initiativkomitee hat einstimmig beschlossen, keine Unterschriften von kommerziellen Sammelfirmen zu kaufen. Die nötigen 100 000 gültigen Unterschriften sollen aus eigener Kraft gesammelt werden. 

Du kannst die Bienen-Initiative persönlich unterschreiben. Noch besser: Sammle zusätzlich auf Unterschriftenbögen weitere Unterschriften bei deinen Freunden, Verwandten, Bekannten und in deiner Nachbarschaft. Wir Familiengärtnerinnen und Familiengärtner sind ganz nah am Thema, denn die Insektenbestäuber sind auf unseren Parzellen während vieler Monate im Jahr unsere täglichen Begleiter, Helfer und Freunde.

Hier geht es zum Unterschriftenbogen der Bienen-Initiative

Du kannst auch hier eine Bienen-Fahne bestellen und die Initiative sichtbar machen.

Nahaufnahme einer kleinen Furchenbiene (Halictidae) auf einer leuchtend orangen Ringelblume. Die Biene sammelt Pollen im Zentrum der Blüte, umgeben von warmen Farbtönen und weichem Hintergrund.
Eine Furchenbiene (Halictidae) auf einer Ringelblume. (Calendula officinalis) Die kleine, aber fleissige Bestäuberin ist typisch für die vielfältige Welt der Wildbienen, die von der Bienen-Initiative geschützt werden soll. Die Aufnahme betont die Bedeutung jedes einzelnen Bestäubers – unabhängig von seiner Grösse – für ein funktionierendes Ökosystem. Bild: Dirk Rahnenführer

Veröffentlicht in:

GemeinschaftNatur

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