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Beweisstück Unterhose

Aufruf zum Mitmachen an der Aktion «Beweisstück Unterhose»

Wie aktiv ist mein Boden?

Die Aktion «Beweisstück Unterhose» dauert vom 20./21. April bis 15./16. Juni 2024. Das ist je ein Wochenende. Der Schweizer Familiengärtner-Verband (SFGV) als Beteiligter der «Partnerschaft für den Boden» trägt diese Aktion mit und hofft, dass auch viele unserer Mitglieder bzw. Pächterinnen und Pächter mitmachen.

Was versteckt sich hinter dieser Aktion? Ganz einfach: Indem du auf deiner Parzelle im Schreber- bzw. Familiengarten eine Unterhose aus 100 Prozent Baumwolle vergräbst, erfährst du mehr über den Boden, den du bewirtschaftest. Was gewinnst du? Ganz sicher Zusatzwissen, Spass und mit ein wenig Glück auch noch einen Preis.

Die Aktion ist eine Entwicklung von Agroscope und wird von einer breiten Partnerschaft getragen. Sie besteht aus Behörden und Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt, Raumplanung und Wissenschaft. Dazu gehört, wie erwähnt, auch der SFGV.

Beweisstück Unterhose: Simon Romang im Garten mit einer vergrabenen Unterhose. Die Fahne dient zur Markierung, dass man in 8 Wochen die Reste der Unterhose wiederfindet.
Beweisstück Unterhose: Simon Romang im Garten mit einer vergrabenen Unterhose. Die Fahne dient zur Markierung, dass man in 8 Wochen die Reste der Unterhose wiederfindet.

Mitmachen ist einfach

  • Öffne die Webseite www.beweisstueck-unterhose.ch, dort findest Du den Link zur App «Beweisstück Unterhose» für iOS und Android. Installiere die App zur Teilnahme.
  • Dir bleibt bis zum 20./21. April Zeit, um das nötige Material bereitzustellen. Du brauchst eine Unterhose aus reiner Baumwolle. Weiter eine Schaufel oder einen Spaten, um ein ca. 30 cm tiefes Loch zu graben und eine geeignete Standort-Markierung.
  • Am 20./21. April 2024 startet die Aktion. Du gräbst – nach den Vorgaben der Anleitung – die Unterhose in deinem Boden ein und markierst den Standort, damit du später noch weisst, wo du die Unterhose vergraben hast.  
  • Geduldiges, aber gespanntes Warten: Die Unterhose bleibt nun acht Wochen im Boden.
  • Das Ausgraben erfolgt für alle, die an der Aktion teilnehmen, einheitlich am 15./16. Juni. Anhand des Zustands der Unterhose kannst du jetzt den Zustand deines Bodens bewerten.
  • Die Bilanz über die zweimonatige Aktion erfolgt voraussichtlich am 20. Juni. Bei dieser Gelegenheit werden auch zehn Bodenanalysen verlost.
Die App «Beweisstück Unterhose»
Die App «Beweisstück Unterhose»

Bevor du startest, schaue dir bitte das Video mit dem Kabarettisten und Satiriker Simon Enzler an, der dir das Vorgehen nochmals genau erklärt.

Was passiert mit der Unterhose in meinem Boden?

Abgesehen vom Hosenbund und den Nähten muss die Unterhose zu 100 Prozent aus Baumwolle bestehen. Diesen Stoff haben die Boden-Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze nämlich im wahrsten Wortsinn «zum Fressen gern». Das heisst: Je mehr aktive Mikroorganismen in deinem Boden leben, desto schneller wird die Baumwolle im Boden abgebaut. Wenn du also am 15./16. Juni den verbleibenden Rest der Unterhose ausgräbst, weisst du, wie gesund, lebendig und aktiv dein Boden ist – oder eben nicht… Schlecht abgebaute Unterhosen weisen nämlich darauf hin, dass dein Boden nicht so lebendig und fruchtbar ist und damit auch leichter austrocknet.

Die Bedeutung von Humus

Massgebend für ein aktives Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit ist im Wesentlichen der Humus – also das organische Material auf deinem Boden. Wenn von deiner Unterhose nach acht Wochen ein grosser Rest übrigbleibt, solltest du dich mehr damit befassen, den Humusgehalt in deinem Boden zu fördern. Das erreichst du insbesondere durch:

  • Permanente Bodenbedeckung
  • Reduzierte Bodenbearbeitung (Boden lockern, nicht umstechen, nicht fräsen)
  • Ausbringen von Kompost / Mulchen / Anpflanzen von Gründüngung

Humusreiche Böden fördern die Biodiversität.

Humusreiche Böden können auch besser Wasser speichern als humusarme Böden. Sie sind daher gegen klimabedingte Trockenheit besser gerüstet. Humus ist ausserdem wichtig für die Eisenaufnahme durch die Pflanzen. Denn Eisen ist zentral für die Photosynthese und damit für das Pflanzenwachstum schlechthin.

Der Boden und seine Bedeutung

Wir haben auf diesem Blog auch schon andere Themen rund um den Boden und seine Bedeutung für die Ernährung aufgegriffen, insbesondere in den beiden Beiträgen Bodenlebewesen fördern, ein Praxisbeispiel und Welternährungstag

Verwende organische Düngemittel natürlichen Ursprungs

Organischer Dünger muss von Mikroorganismen zuerst zersetzt werden, damit die Nährstoffe verfügbar werden. Er verbessert somit langfristig den Boden und die Nährstoffverfügbarkeit. Da Nährstoffe aus organischen Düngemitteln an Humus gebunden sind, werden sie nicht so leicht ausgewaschen wie mineralische Handelsdünger (das sind künstlich hergestellte, industrielle Dünger, die du auf keinen Fall verwenden solltest). Organische Düngemittel vermindern aus dem vorgenannten Grund das Risiko einer Überdüngung (vgl. zur Düngung auch Ziffer 3 der SFGV-Broschüre «Familiengärten, naturnah gepflegt», die du für Fr. 15.- bei uns bestellen kannst).

Besondere Vorsicht ist übrigens nach dem Einsatz einer sogenannten Langzeitdüngung angebracht: Lässt der Gärtner bzw. die Gärtnerin der Langzeitdüngung kurze Zeit später eine andere Art von Düngung folgen, so kann diese Kombination schnell zu einer Überdüngung führen. Leider kann man nicht selber feststellen, mit welchen Nährstoffen der Boden gut oder allenfalls unter- oder überversorgt ist. Bodenanalysen helfen hier weiter. Sie befähigen zu einem gezielten Vorgehen zur Bodenverbesserung.

Kompost fördert Humus, Überdüngen schadet der Umwelt

Im 2021 wurde schon einmal eine Aktion «Beweisstück Unterhose» durchgeführt. Damals haben sich rund 1’000 Freiwillige daran beteiligt. Bei der Auswertung zeigte sich, dass Privatgärten in der Tendenz einen durchschnittlich um 23 Prozent höheren Humusgehalt aufwiesen als landwirtschaftliche Flächen. Dies dürfte dem häufigeren Einsatz von Kompost auf Privatgrundstücken zu verdanken sein. Gleichzeitig stellten die Forschenden aber auf manchen Privatgrundstücken auch eine sehr hohe Nährstoffkonzentration fest. Eine Überdüngung kann also durchaus auch wegen einem überhöhten Komposteinsatz entstehen.

Überdüngung schadet in jedem Fall der Umwelt. Wie kommt es dazu? Bei einer Überdüngung werden Nährstoffe aus dem Boden ins Grundwasser und in die Oberflächengewässer ausgewaschen. Dies stört deren natürliches Gleichgewicht. Zuerst bilden sich aufgrund der hohen Nährstoffzufuhr Algen. Auf der Wasseroberfläche entsteht ein immer dichterer Algenteppich. Danach kommt es zunehmend zu einem Sauerstoffmangel im Wasser. Im schlimmsten Fall «kippt» das ganze Gewässer, was in einem Massensterben aller Wasserlebewesen endet.

Warum sollst du mitmachen bei «Beweisstück Unterhose»?

Ich selbst werde mich an der Aktion beteiligen, weil ich:

  • mehr erfahren will über Böden und alles, was damit in Zusammenhang steht
  • wissen möchte, wie aktiv der Boden auf meiner Familiengarten-Parzelle ist.

Hilfst du auch mit? Natürlich ist die Aktion im Ausgangspunkt vor allem eines: Ein humorvoller Denk- und Handlungsanstoss. Aber daraus kann sich viel mehr entwickeln: In erster Linie eine steigende allgemeine Wertschätzung für unsere Böden – damit ob all der Versiegelung und Überbauungen nicht irgendwann die natürlichen Böden ganz verschwinden.

Erfahrungsbericht nach der Aktion

Update vom 19. Juni 2024

Aktion Beweisstück Unterhose: Diese Bio-Baumwoll-Unterhose war acht Wochen im Boden vergraben. Der Zersetzungsgrad zeigt, dass der Boden lebt: Je mehr aktive Mikroorganismen im Boden leben, desto schneller wird die Baumwolle im Boden abgebaut. Bild: Jacqueline Cortesi

An der Aktion 2024 wollte ich mich unbedingt auch persönlich aktiv beteiligen. Deshalb habe ich zum vorgegebenen Zeitpunkt in der Ecke eines Gartenbeetes auf meiner Familiengarten-Parzelle eine Bio-Baumwoll-Unterhose eingegraben. Das Experiment brauchte wenig Vorbereitung und liess sich auch sehr leicht umsetzen: Bio-Baumwoll-Unterhose beschaffen, App der Aktion Beweisstück Unterhose herunterladen, Unterhose gemäss Anleitung vergraben und Standort markieren. Für die Markierung steckte ich einen ca. 30 cm langen Ast senkrecht in die Erde, tief genug, dass er nicht umfällt, lang genug, dass er deutlich aus der Erde herausragt.

Im vorangegangenen Winter 2023 blieb meine Parzelle weitgehend mit Beikraut bedeckt, weil ich ab Herbst nicht mehr gejätet habe. Dafür gab es dann im Frühjahr etwas mehr Arbeit. Die Erde habe ich nach der Entfernung des Beikrauts gelockert, aber nicht umgegraben und nicht gefräst. Rein optisch wusste ich, dass recht viele Regenwürmer meinen Boden bevölkern, was ich als gutes Zeichen wertete. Trotzdem war ich sehr gespannt auf das Ergebnis des Experiments, das mich nach acht Wochen erwarten würde. Während dieser Zeit habe ich den Boden am Eingrabungsort weder zusätzlich zum Regen bewässert noch sonst berührt. Ich hoffte, dass während der Wartezeit zahlreiche Bodenlebewesen die Baumwolle fleissig auffressen würden. Nach dem Ausgraben durfte ich in der Tat feststellen, dass die Unterhose über meine Erwartungen hinaus stark zersetzt ist, wie ihr auf dem Foto erkennen könnt. Toll – oder?

Dieses Experiment kannst Du ausserhalb einer offiziellen Aktion durch die Partnerschaft Boden selbst leicht nachmachen. Es eignet sich auch sehr gut zum Mitmachen von Kindern. Du kannst sie auf eine eindrückliche Art und Weise mit der zentralen Bedeutung gesunder Böden vertraut machen.

Jacqueline Cortesi

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