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Asiatische Hornisse, eine Bedrohung für einheimische Bienen auch im 2024

Mörderische Bedrohung für unsere Bienen durch Asiatische Hornisse

Schrebergärten sind vom Rückgang der Bienen direkt betroffen.

Honigbienen sterben bekanntlich nicht mehr ganz so oft an den Varroamilben. Der Einsatz von Pestiziden und die Reduktion der Anzahl und der Vielfalt von Blüten stellen aber weitere Bedrohungen unserer Bienenarten dar. Seit 2017 gibt es eine zusätzliche Gefahr: Damals ist in der Schweiz (Jura) erstmals die Asiatische Hornisse aufgetaucht. Sie stammt ursprünglich aus Zentral- und Ostasien und jagt am liebsten Wild- und Honigbienen. Damit bedrohen diese Wespen auch direkt die Artenvielfalt, über die wir schon hier geschrieben haben.

Gefahr für Biodiversität und Ökosysteme

Die Asiatische Hornisse wurde 2004 in Frankreich nachgewiesen. Von dort aus hat sie sich seitdem in weiten Teilen Europas und auch in der Schweiz breit gemacht. Als invasives Insekt bedroht sie durch die intensive und effiziente Bienenjagd ganze Ökosysteme. Sie kann Bienenstöcke im Extremfall vernichten und seltene einheimische Wildbienen ausrotten. Damit schmälert sie die Pflanzenbestäubung. Für den Menschen ist der Stich einer Asiatischen Hornisse nicht gefährlicher als ein Bienenstich.

Im Lavaux (Kanton Waadt) hat ein Imker schon sehr früh im Jahr 2024, nämlich bereits Mitte Februar, eine erste Asiatische Hornisse gesichtet, in unmittelbarer Nähe zur Unterbringung seiner Bienenvölker. Dies ist nach einem derart milden Winter nicht weiter erstaunlich und lässt befürchten, dass die Klimaerwärmung die Verbreitung der Asiatischen Hornissen noch schneller begünstigt (La Matinale – Le frelon asiatique se propage en Suisse romande à cause du réchauffement climatique (vidéo) – Play RTS).

Auch andernorts machen sich die Asiatischen Hornissen in beängstigender Geschwindigkeit breit: Der Regierungsbezirk in Karlsruhe (D) verzeichnete offenbar einen sprunghaften Anstieg von 15 Nestern (im 2022) auf 550 Nester (im 2023). Quelle: landfunker.de.

Am 10. Februar 2024 hat der Verband Bernischer Bienenzüchtervereine (VBBV) einen öffentlichen, sehr instruktiven Informationsanlass zum Thema Asiatische Hornisse veranstaltet. Dazu sind Dokumente und Aufzeichnungen vom Anlass in Deutsch und Französisch verfügbar. Hier geht es zum Live-Stream der Infotagung Asiatische Hornisse 2024.

Schützenswerte Lebensräume

Biodiversität: Rote Listen spielen bei der Bewertung des Zustands der Artenvielfalt als Indikatoren eine zentrale Rolle. Im Vergleich zu benachbarten Ländern ist der Anteil gefährdeter oder ausgestorbener Arten in der Schweiz besonders hoch. In unserem Beitrag erfährst du alles über die Roten Listen.

Wildbienen in der Schweiz: Wie es um die Wildbienen bei uns steht, und was Du für die Wildbienen tun kannst, schreiben wir in unserem Beitrag Wildbienen Schweiz.

Europäische Hornissen

Nebst der gewöhnlichen Europäischen Hornisse «Vespa crabro» ist die Orientalische Hornisse «Vespa orientalis» die zweite Art, die natürlicherweise in Europa vorkommt. Sie ist aufgrund ihrer vorwiegend braunen Färbung gut zu erkennen. Zurzeit gibt es von dieser Hornissenart noch keine Funde in der Schweiz.

Die Europäische Hornisse ist die größte Faltenwespe, die in Zentraleuropa lebt. Ihr Stich ist entgegen weit verbreiteter Meinung für eine nicht allergisch reagierende Person nicht gefährlicher als der Stich einer Biene oder Wespe. Die Menge ihres Giftes ist sogar geringer und weniger wirksam. Unsere heimischen Hornissen spielen eine wichtige ökologische Rolle, indem sie den Insektenbestand wie andere Wespenarten, Fliegen, Raupen oder Käfer regulieren.

Eine Europäische Hornisse mit Larve in einem Familiengarten in Dübendorf.
Bild: Eine europäische Hornisse mit Larve in einem Familiengarten in Dübendorf. Asiatische Hornissen sind eine mörderische Bedrohung für unsere einheimischen Arten. Foto 2022 Dirk Rahnenführer

Asiatische Riesenhornissen

Die – mit der Asiatischen Hornisse nicht etwa zu verwechselnde – Asiatische Riesenhornisse «Vespa mandarinia» wurde auch schon in Nordamerika festgestellt. Sie führt in Japan und China vorwiegend bei allergisch reagierenden Personen jedes Jahr zu Todesfällen.

Der Kopf der Riesenhornisse ist orange und vergleichsweise breit, der Rumpf komplett schwarz. Arbeiterinnen messen etwa 27 bis 45 Millimeter, haben eine Flügelspannweite von ungefähr 76 Millimeter und einen sechs Millimeter langen Giftstachel. Die typische Imkerschutzkleidung schützt nicht vor ihren Stichen. Die Riesenhornisse hat auch schon als «Honigbienenkillerin» Schlagzeilen gemacht. Die Verluste angegriffener Bienenvölker sind in der Tat extrem hoch (durchschnittlich 40 Tiere in einer Minute). Die «Vespa mandarinia» bevorzugt zum Nisten unterirdische Hohlräume. Einzelne oberirdische Nistplätze (wie Baumhöhlen) errichtet sie selten mehr als ein bis zwei Meter über dem Boden.

Bild: Asiatische Riesenhornisse. Quelle: I, KENPEI, Vespa mandarinia japonica1, CC BY-SA 3.0

Hornissen sind invasiv

Das Informationsblatt des Museum National d’Histoire Naturelle (MNHN) hilft beim Auseinanderhalten der «Vespa velutina» von ähnlichen Insekten. Das MNHN stellt online auch eine für Europa laufend aktualisierte Verbreitungskarte der Hornissen bereit; Frelon Asiatique (mnhn.fr).

Vergleiche der Gesamtheit aller Erbinformationen einer Zelle (Genome) zwischen den drei Hornissenarten zeigen, welche Sequenzen ihnen beim Anpassen an fremde Regionen helfen. Den Fachleuten zufolge deuten diese Genome darauf hin, dass Hornissen invasiv sind, weil sie viele Gene besitzen, die an der Erkennung chemischer Signale und an der Reaktion darauf beteiligt sind. Die schnelle Entwicklung solcher Gene erleichtert den Hornissen möglicherweise eine rasche Anpassung an neue Umgebungen (Favreau, E., Cini, A., Taylor, D. et al. Putting hornets on the genomic map. Sci Rep 13, 6232 (2023), www.nature.com, veröffentlicht am 21. April 2023).

Wie sieht die Asiatische Hornisse aus?

Die Asiatische Hornisse ist rund fünfmal grösser als die Honigbiene. Im Vergleich zur Europäischen Hornisse ist sie jedoch ein bisschen kleiner. So misst die asiatische Königin ca. 3 cm, die europäische 3,5 cm.

Bei der Farbgebung gibt es deutlichere Unterschiede: Der Hinterleib der Europäischen Hornisse ist gelb, mit schwarzen Punkten und Banden. Jener der Asiatischen Hornisse ist dunkel (mit feinen gelben Streifen), die Brust ist schwarz. Die Europäische Hornisse ist also mit den Rot- und Gelbanteilen heller als die Asiatische (Asiatische Hornisse breitet sich aus: So gefährlich ist sie wirklich | BRISANT). Charakteristisches Merkmal für die Asiatischen Hornissen sind zudem die gelben Enden der Beine.

Luftakrobaten

Die Asiatische Hornisse verfügt über besondere Verhaltensmerkmale, die sie von Europäischen Hornissen deutlich unterscheiden: Sie ist eine Super-Fliegerin und grosse Bienen-Jägerin. Im Vergleich zur gewöhnlichen Europäischen Hornisse «Vespa crabro» lebt die Asiatische Hornisse «Vespa velutina nigrithorax» zudem ihn viel grösseren Schwärmen.

Die Asiatische Hornisse kann rückwärts und sogar an Ort fliegen. Auf diese Weise fängt sie die Bienen im Flug. Anders als die Europäischen Hornissen organisieren sich die Asiatischen Hornissen für die Jagd in Gruppen und warten auch schon mal direkt vor einem Bienenstock auf ihre Beute. Aus Angst schwärmen die Bienen nicht mehr aus. Sie hungern, werden schwach und sterben im schlimmsten Fall.

Während Europäische Hornissen nur im Herbst und nur teilweise Honigbienen erbeuten, ernähren sich die Asiatischen Hornissen im Sommer und Herbst weitgehend von Bienen. Letztere machen bis zu 85 Prozent der erbeuteten Insekten aus.

Die Asiatische Hornisse zerstückelt ihr Opfer so, dass sie nur den Thorax mit der Flugmuskulatur tragen muss. Den Kopf der Biene entfernt sie. Mit dieser Beute deckt sie den Eiweissbedarf ihrer Brutlarven. Die erwachsenen Asiatischen Hornissen ernähren sich selbst nur von den Ausscheidungen der eigenen Larven und später von Fruchtsäften, sobald die Aufzucht der Brut abgeschlossen ist. Asiatische Hornisse (admin.ch).

Fussballgrosse Nester

Das Insekt baut seine Primärnester geschützt in der Nähe von Häusern. Im Sommer baut das Volk der Asiatischen Hornissen ein Sekundärnest in grosser Höhe auf Laubbäumen, wo es vom Laub der Baumkrone oft verdeckt bleibt. Der kleine Nesteingang befindet sich an der Seite. Die Nester können bis auf einen Meter Durchmesser anwachsen. Erst im Herbst, wenn das Laub von den Bäumen fällt, werden die verlassenen Nester sichtbar. Im Spätherbst fliegen die neuen Königinnen nämlich aus. Sie überwintern in einem geschützten Versteck, während die Arbeiterinnen sterben.

Die Europäischen Hornissen bauen ihre Nester dagegen selten im Freien, eher geschützt in Baumhöhlen oder Scheunen. Der grosse Nesteingang ist an der Unterseite angebracht.

Schutz der Bienenstöcke

Die bei Weitem wirksamste Bekämpfungsmethode der invasiven Asiatischen Hornissen ist das Vernichten ihrer Nester. In Frankreich werden jagende Arbeiterinnen auch mit Fallen gefangen. Der schweizerische Bienengesundheistdienst (BGD, apiservice) rät davon ab. Das Aufstellen von Fallen beurteilt er als nicht hinreichend wirksam. Zudem schaden solche Fallen, weil sie nicht selektiv sind, bzw. sich auch andere Insektenarten darin verfangen.

Der Bienengesundheitsdienst weist die Imkerinnen und Imker darauf hin, dass sie die Fluglöcher der Bienenkästen allenfalls mit einem Gitter schützen können, um die Überlebenswahrscheinlichkeit der Bienenvölker zu erhöhen.

Peilsender gegen asiatische Hornissen

Auf Initiative der Kantone und Imkervereine lernen Imkerinnen und Imker nun, wie sie die asiatische Hornisse orten und bekämpfen können. SRF News berichtete darüber am 28. Juni 2023: SRF News: Peilsender gegen asiatische Hornissen.

Im Bericht erklärt Kursleiter und Insektenforscher Lukas Seehausen das Verfahren. Lukas Seehausen arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Risikoanalyse & Invasionsökologie am Centre for Agriculture and Bioscience International (CABI). Gemäss Lukas Seehausen lässt sich die Verbreitung der asiatischen Hornisse in Europa allerdings nicht mehr aufhalten. Vielmehr geht es um eine Schadensbegrenzung.

Die Bekämpfung der Asiatischen Hornissen liegt bei den Kantonen. Kritische Stimmen fordern ein weitergehendes Engagement des Bundes. Im Parlament wurden bisher vier Vorstösse zum Thema eingereicht:

Aus der bundesrätlichen Stellungnahme vom 22. Februar 2022 zur Motion 22.4353 (in den Räten noch nicht behandelt) ergibt sich, dass die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse in der Verantwortung der Kantone liegt (Art. 52 Freisetzungsverordnung; FrSV 814.911). Soweit erforderlich komme dem Bund eine koordinierende Rolle zu. Bei Bedarf könnten die Kantone gestützt auf Artikel 49 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01) ein Gesuch zur finanziellen Mitbeteiligung des Bundes zur Unterstützung der Ausbildung und gegebenenfalls zur Behebung von Lücken in den Grundlagen und der angewandten Forschung einreichen. Um den Kantonen weiterführende Verpflichtungen für die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse aufzuerlegen oder Massnahmen gegen invasive gebietsfremde Arten auf Bundesebene zu unterstützen, wäre eine Anpassung des Umweltschutzgesetzes notwendig.

Hilf mit – Sichtungen melden

Info fauna führt eine Verbreitungskarte der Asiatischen Hornisse in der Schweiz.

Hast Du eine Asiatische Hornisse in der Schweiz gesehen? Dann melde die Sichtung einfach online gleich hier: www.asiatischehornisse.ch.

Nester auf keinen Fall selber entfernen; Meldung an den Identifikationsdienst

Idealerweise entfernen Fachleute aktive Nester der Asiatischen Hornissen im Sommer und Frühherbst. Diese Aufgabe ist bei den Kantonen angesiedelt. Die Imker und Imkerinnen leisten Unterstützung, indem sie Nester suchen und dem offiziell eingerichteten Identifikationsdienst melden sollen (info@apiservice.ch).

Die Arbeitsgruppe «Cercle exotique» (vormals: Invasive Neobiota) hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) und dem Bienengesundheitsdiest für die Neobiota-Stellen der Kantone bereits 2017 eine Handlungsempfehlung ausgearbeitet; vgl. auch das Merkblatt mit Fotos auf: 2.7_asiatische_hornisse.pdf (bienen.ch). Fotos von Insekten, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um «Vespa velutina» handelt, sollten Sie zum Bestimmen dem Bienengesundheitsdienst zusenden.

Unseren französischen Artikel über die Asiatische Hornisse findet ihr hier: Frelon asiatique.

Cercle Exotique (CE)

Der Cercle Exotique (CE) unterstützt die Kantone bei ihren Aufgaben gemäss Freisetzungsverordnung im Bereich invasiver Neobiota. Als Neobiota werden gebietsfremde Arten, d.h. Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozoen) bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas beabsichtigt oder unbeabsichtigt nach Europa eingebracht wurden.



Verwendete Quellen bzw weitere Informationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Orientalische_Hornisse

https://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Riesenhornisse

https://www.brisant.de/haushalt/tiere/asiatische-hornisse-136.html

https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/nutztiere/bienen/bienenkrankheiten/asiatische-hornisse.html

https://bienen.ch/wp-content/uploads/2022/11/2.7_asiatische_hornisse.pdf

https://www.tagblatt.ch/leben/asiatische-hornisse-aggressiver-rauber-im-anflug-auf-die-schweiz-ld.1246113

(Aktualisierter Text der Originalfassung vom 22. August 2023.)

Jacqueline Cortesi

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Biodiversitätsinitiative 9. September 2024

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